Ein kleiner Traum wird wahr. Wie oft habe ich schon Klaviere und Flügel aller Grössen, Marken und Zuständen gesehen. Doch nie durfte ich einen Blick hinter die Kulissen werfen. Heute ist es soweit, ich besichtige die Klavierfabrik Bösendorfer in Wien.

Mein Tag startet mit dem Abflug aus Zürich. Ich werde drei Tage in Wien verbringen, um neben der Besichtigung der Klavierfabrik auch in Museen – wie das Mozarthaus – zu gehen.

Bis 1973 produzierte Bösendorfer in der Wiener Hauptstadt. Aufgrund diverser Faktoren (Konkurrenzdruck) musste die Fabrik erst teils, dann komplett in die Wiener Neustadt verlegt werden. Diese Produktionsstätte habe ich besichtigt.

Als erstes fällt mir natürlich das Bösendorfer Logo auf, welches, nicht wie üblich am Klavier, sondern hoch an einem Fabrikgebäude in der Gymelsdorfer Gasse prangert.

© Bösendorfer

Am Selektionshaus angelangt, werde ich bereits freundlich von Herrn Ing. Franz Walter empfangen. Er arbeitet bereits seit 40 Jahren für Bösendorfer und kennt sich daher bestens aus. Mir werden die verschiedenen Produktionsschritte vom Holzlager zur Intonation in den jeweiligen Bereichen der Fabrik gezeigt und erklärt. Ein unvorstellbarer Einblick in eine Welt, wie man sie sonst vergleichbar nur aus Theater und Co. kennt.

Die Fabrik wurde 2007 von Yamaha aufgekauft. Ein Fakt, der mich erstmal schockiert hat, da Yamaha im Klavier und Flügelgeschäft eher zum Billigsegment gehört und nicht die Qualität eines Bösendorfers oder Steinways bieten kann.

Daher hat mich die Übernahme sehr gewundert: Wird Bösendorfer nun nach Asien zur Billigproduktion verlegt? Verliert Bösendorfer seine Identität und exzellente Qualität? Wieso überhaupt die Übernahme?

Genaueres werde ich in einem separaten Bericht beantworten, so viel sei jedoch gesagt: Nach einer ereignisreichen Unternehmenshistorie stand Bösendorfer zum Verkauf. Neben einigen Interessenten konnte sich Yamaha klar durchsetzten und akquirierte das österreichische Unternehmen. Die Tradition und der Garantiestandort bleiben jedoch erhalten. Yamaha ist Eigentümer und Partner für technische Innovationen. Kombiniert mit den traditionellen Strukturen und Methoden ergibt sich eine tolle Mischung.

Auch das Arbeitsklima erscheint mir ausgesprochen freundlich, da sich jeder auf unserer Tour durch die Fabrik gegrüsst hat. Ausserdem gibt es hin und wieder eine Bewegungspause, in der die Mitarbeiter Körper-Übungen durchführen, um sich von den teils anstrengenden Arbeiten zu entspannen.

Am Ende der Führung durfte ich einige Flügel ausprobieren. Im „Selection Centre“, welches sich neben der Fabrik befindet, können Interessenten normalerweise Flügel anspielen, ausprobieren und für den Kauf auswählen. Auch auf dem am Tage der Führung neu vorgestellten Bösendorfer VC 214 durfte ich spielen. Ein grandioser Flügel mit unglaublicher Response-Time!

© Bösendorfer / ta

Neben der gewichtigen Führung der Bösendorfer Klavierfabrik, habe ich auch das Mozarthaus besichtigt. Es liegt im Stadtzentrum in der Nähe des Stefansdoms. Mozart hatte dort 1784 bis 1787 mit seiner Familie gelebt, gespielt, Feste gefeiert und komponiert.

Auch in dieser Einrichtung erhält man einen ganz besonderen Eindruck von Mozarts Leben. Leider ist ausser der Wohnung an sich, nicht viel erhalten geblieben. Das Museum schafft hier jedoch Abhilfe, indem der Inventarnachlass der Mozarts dargestellt, besondere Merkmale (wie der für damals unübliche, private Billiardtisch) und die Funktion der einzelnen Räume aufgezeigt werden.

Trotz des andauernd schlechten Wetters konnte ich viele wertvolle Informationen und Eindrücke sammeln, die man sonst nicht im Internet finden kann.

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp für jeden, der selbst nach Wien reisen will: Die „Musikhauptstadt“ wird von mässigen Unterhaltungskonzerten überschwemmt. Wer sich auf die Angebote der als Mozart verkleideten Verkäufer in der Altstadt einlässt, sollte keine qualitativen Konzerte erwarten. Die Vorspiele dienen eher der Unterhaltung der Massen, die einen ersten Kontakt mit klassischer Musik wagen wollen.

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